Geschichte

Europa ist zwar der flächenmäßig zweitkleinste Kontinent, hatte aber im Laufe seiner langen Geschichte großen Einfluss auf die gesamte Welt. Eine erste Blütephase erlebte Europa im Zeitalter der Antike von ca. 1200 v. Chr. bis ins Jahr 600 n. Chr.Zunächst die griechischen Städte, allen voran die beiden rivalisierenden Stadtstaaten Athen und Sparta, und später das Römische Reich erbrachten große Leistungen in den Bereichen Kultur, Philosophie, Sprache, Schrift, Bauwesen, Mathematik und Naturwissenschaften.

Rom beherrschte dabei für viele Jahrhunderte einen Großteil der damals der Bevölkerung Europas bekannten Welt. Lediglich die Germanen östlich des Rheins und einige europäische Randgebiete wie Schottland, Skandinavien und Osteuropa konnten sich dabei der Einflussnahme der Römer erfolgreich widersetzen.
Die Errungenschaften der Antike gerieten in der folgenden Epoche des Mittelalters zu großen Teilen in Vergessenheit. Das Römische Reich wurde durch die Völkerwanderung germanischer und slawischer Stämme schließlich zerstört. Diese großen Wanderungsbewegungen, ausgelöst durch den Einfall der Hunnen von Osten in die bisherigen traditionellen Siedlungsgebiete der Germanen und Slawen, sind bis heute beispiellos in der Geschichte Europas und schufen die Grundlage zur Entstehung der heute bekannten europäischen Völker und Nationen.

Das Mittelalter, welches bis etwa zum Jahr 1500 andauerte, war gekennzeichnet durch die Entstehung bedeutender Monarchien wie beispielsweise die Königreiche England, Frankreich und Spanien oder die um die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation streitenden Adelsgeschlechter der Wittelsbacher, Luxemburger und Habsburger. Das Leben der Bevölkerung war geprägt durch den allgegenwärtigen Einfluss der katholischen Kirche und das vorherrschende Wirtschaftssystem des Lehnswesens.

Seinen prägenden Einfluss auf die Entwicklung der gesamten Welt entfaltete Europa jedoch ab dem Beginn der Neuzeit, welche durch die Entdeckung Amerikas sowie des Seeweges nach Indien und China durch Spanien und Portugal eingeleitet wurde. Erstmals war klar, dass die Welt rund ist, was durch die erste Weltumsegelung durch Ferdinand Magellan 1519-1522 endgültig bewiesen wurde. Schnell konnten sich die europäischen Seefahrernationen Spanien, Portugal, Frankreich, England und die Vereinigten Provinzen der Niederlande große Gebiete in Amerika auf Kosten der Ureinwohner nutzbar machen. In großer Anzahl wurden afrikanische Sklaven aus Afrika in die Überseebesitzungen in Amerika gebracht, um dort ohne Lohn in der Landwirtschaft und im Bergbau zu arbeiten. Auch der Handel mit Asien trug zum großen Reichtum der beteiligten Nationen bei. Ein Europa begann in dieser Zeit eine Phase der kontinuierlichen Blüte von Kunst und Wissenschaft. Zahlreiche berühmte Gebäude wie der Petersdom in Rom mit seinen prachtvollen Malereien entstanden in dieser Zeit. Auch das Selbstverständnis des Menschen und seines Zusammenlebens veränderten sich. Die Ideen der Aufklärung führten zu einem stärkeren Hinterfragen der bisherigen Gesellschaftsstrukturen, welches schließlich am Ende des 18. Jahrhunderts zur Französischen Revolution führte. Die Ideen der Revolution wie Gleichheit der Menschen, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie konnten sich zwar noch nicht in ganz Europa durchsetzen, fanden jedoch im Zuge der Industrialisierung Europas im 19. Jahrhundert und der Entstehung der Arbeiterklasse mehr und mehr Einzug in die Gesellschaftssysteme.

Im Zeitalter des Imperialismus ab ca. 1870 war der weltweite Einfluss Europas auf dem Höhepunkt. Afrika, Australien und große Teile Asiens und Amerikas standen unter der Herrschaft der europäischen Kolonialmächte, welche die besetzten Gebiete ausbeuteten, um Rohstoffe für die heimische Industrie zu bekommen.
Die Gegensätze und Machtstreitigkeiten mündeten schließlich im Ersten Weltkrieg von 1914-1918, welchen das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich verloren und große Teile ihrer Besitzungen einbüßten. Die Rivalitäten unter den europäischen Staaten waren damit aber nicht beendet, der folgende Zweite Weltkrieg brachte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland sowie der faschistischen Bewegung in Italien bisher nie dagewesenes Leid über die Völker Europas. Resultat war die Teilung des Kontinents in einen westlichen demokratischen und kapitalistischen Teil unter der Führung der USA sowie einen östlichen kommunistischen und planwirtschaftlichen Teil unter der Führung der Sowjetunion.Dieser Ost-West-Konflikt hielt für mehr als 40 Jahre die Welt in Atem, eine Konfrontation mit den verheerenden Wirkungen von Nuklearwaffen konnte teilweise nur knapp vermieden werden.

Während die westlichen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg größtenteils in eine Phase wirtschaftlicher Erholung traten, entwickelten sich die Wirtschafts- und Lebensverhältnisse im Ostblock weniger vorteilhaft, sodass in den Wendejahren 1989-1991 das kommunistische System zusammenbrach und eine bisher andauernde Periode des Friedens und der Abrüstung eingeleitet wurde.
Grenzen haben seitdem an Bedeutung verloren, die Integrationspolitik der Europäischen Union verbindet die Völker seither immer enger und die Staaten und Menschen wachsen mehr und mehr zusammen.